PEEK 3D-Druck – Eigenschaften, Einsatzgebiete & Service

PEEK (Polyetheretherketon) ist das Hochleistungsmaterial schlechthin im 3D-Druck: chemisch nahezu unangreifbar, wärmestabil bis 250 °C Dauertemperatur, biokompatibel und mit mechanischen Werten auf Metallniveau. Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie die chemische Industrie setzen PEEK dort ein, wo kein anderer Kunststoff standhält.


Eigenschaften von PEEK

PEEK ist ein teilkristalliner, thermoplastischer Hochleistungskunststoff der PAEK-Familie. Seine herausragende Kombination aus thermischer Stabilität, chemischer Beständigkeit, mechanischer Festigkeit und Biokompatibilität macht es zu einem der wertvollsten Werkstoffe in der modernen Fertigungstechnik – und seit der Verfügbarkeit von Hochtemperatur-FDM-Druckern auch für additive Fertigung zugänglich.

EigenschaftWert
Drucktemperatur (Hotend)360 – 420 °C
Heizbett-Temperatur120 – 160 °C
Dauergebrauchstemperaturbis 250 °C
Schmelzpunktca. 343 °C
Zugfestigkeit~ 90 – 100 MPa
Biegefestigkeit~ 160 – 170 MPa
Wärmeformbeständigkeit (HDT)ca. 152 °C (bei 1,8 MPa)
Chemische BeständigkeitExtrem – beständig gegen fast alle Chemikalien
BiokompatibilitätJa – ISO 10993 zertifizierbar, FDA-konform
Materialpreis (Filament)ca. 300 – 700 €/kg (je nach Qualität)
Spezielle Hardware erforderlichHochtemperaturdrucker (420 °C+ Hotend, beheizter Enclosure)

Stärken von PEEK auf einen Blick

  • Thermische Extremstabilität – Dauereinsatz bis 250 °C, kurzzeitig noch höher
  • Chemisch nahezu unangreifbar – beständig gegen Säuren, Laugen, Lösungsmittel und Kraftstoffe
  • Zugfestigkeit auf Metallniveau – nähert sich Aluminium-Legierungen bei einem Bruchteil des Gewichts
  • Biokompatibel & FDA-konform – zertifizierbar nach ISO 10993 für Medizin- und Dentalanwendungen, FDA-konform für Lebensmittelkontakt
  • Flammhemmend – inhärent schwer entflammbar ohne Zusatzstoffe (UL94 V-0)
  • Autoklav-fest – sterilisierbar bei 134 °C für medizinische Instrumente und Implantate

Besondere Anforderungen beim PEEK-Druck

  • Hochtemperatur-Drucker zwingend: PEEK benötigt Hotend-Temperaturen von 360–420 °C. Nur spezialisierte Industrie-FDM-Drucker mit All-Metal-Hotend (z. B. Intamsys, Apium, Essentium) können diese Anforderungen zuverlässig erfüllen
  • Beheizte Druckkammer (120–160 °C): Ohne einen auf hohe Temperaturen aufgeheizten Hochtemperatur-Enclosure kommt es zu starkem Warping und Schichtdelamination, die das Bauteil unbrauchbar machen
  • Spezielle Druckbett-Materialien: PEEK haftet nicht auf Standard-Druckbetten – speziell beschichtete High-Temp-Platten oder Hochtemperaturkleber sind erforderlich
  • Trocknung: PEEK-Filament muss bei 120 °C für mindestens 4 Stunden vor dem Druck getrocknet werden – Restfeuchte führt zu Porositäten und Festigkeitsverlust
  • Kosten: PEEK-Filament kostet ca. 300–700 €/kg – deutlich teurer als andere Hochleistungspolymere. Der Druck erfordert zudem kostenintensive Spezialmaschinen

Typische Einsatzgebiete

Medizintechnik & Implantate

PEEK ist biokompatibel, röntgentransparent und sterilisierbar – ideal für chirurgische Instrumente, Implantate, Dentalprothesen und patientenspezifische Endoprothesen. Es ist in der Medizintechnik als Implantatmaterial etabliert und tritt als Knochenersatz an Stellen ein, wo Titan zu starr wäre. FDA-Konformität ermöglicht den Einsatz in regulierten medizinischen Produkten.

Luft- & Raumfahrt

Im Flugzeugbau und in der Raumfahrt werden PEEK-Bauteile eingesetzt, wo Gewichtsreduktion bei gleichzeitig extremen Temperatur- und Belastungsanforderungen gefragt ist: Halterungen, Clips, Kabelführungen und Innenraumkomponenten in Passagierflugzeugen.

Chemische Industrie

Pumpenteile, Ventile, Dichtungen und Reaktionsgefäß-Komponenten aus PEEK widerstehen aggressiven Medien, hohen Temperaturen und Drücken, wo selbst Edelstahl versagen würde. PEEK ersetzt hier oft Titan oder Hastelloy bei niedrigerem Gewicht.

Halbleiter & Elektrotechnik

In der Halbleiterfertigung (Wafer-Handling, Ätzprozesse) werden PEEK-Komponenten eingesetzt, da das Material reinraumtauglich, chemisch inert gegenüber Prozesschemikalien und dimensionsstabil bei Prozesstemperaturen ist.

Motorsport & Hochleistungsmechanik

Lager, Zahnräder und Strukturteile im Motorsport profitieren vom geringen Eigengewicht und der mechanischen Überlegenheit von PEEK – insbesondere im Hochtemperaturbereich nahe Motorkomponenten, wo andere Kunststoffe versagen.

Öl & Gas Industrie

Tiefbohrungskomponenten, Dichtungen und Druck-Bauteile für Offshore-Anwendungen aus PEEK halten extremen Drücken, Temperaturen und korrosiven Medien stand, die für konventionelle Polymere nicht überwindbar wären.


PEEK bei 3D Partner drucken lassen

Der PEEK-Druck ist die Königsdisziplin der additiven Fertigung und erfordert spezialisierte Hochtemperatur-Drucksysteme sowie tiefes Material-Know-how. 3D Partner verfügt über Zugang zu PEEK-fähigen Industriedruckern und ein erfahrenes Netzwerk für Hochleistungsmaterialien, um auch anspruchsvollste Aufträge in Medizin, Industrie und Luft- und Raumfahrt realisieren zu können.

Wir beraten dich umfassend zu PEEK und alternativen Hochleistungspolymeren wie PEI (Ultem), PEKK oder PPS – und finden gemeinsam mit dir die wirtschaftlichste Lösung für deine Anforderungen, ob Einzelteil oder Kleinserie.


Häufige Fragen zum PEEK-Druck

Warum ist PEEK so teuer?

PEEK-Filament kostet je nach Hersteller und Qualität 300–700 € pro Kilogramm – im Vergleich zu PLA (ca. 20–40 €/kg) ein Vielfaches. Der Grund liegt in der aufwendigen Synthese des Polymers, den engen Qualitätsanforderungen (besonders für Medizinprodukte und FDA-Konformität) und der geringen Produktionsmenge. Dazu kommt, dass für den Druck spezialisierte Hochtemperaturdrucker mit 420 °C+ Hotend und beheizter Druckkammer benötigt werden, was die Druckkosten insgesamt erhöht.

Kann PEEK wirklich in der Medizintechnik eingesetzt werden?

Ja – PEEK ist seit Jahrzehnten als biokompatibles Implantatmaterial in der Medizintechnik etabliert. Es ist gemäß ISO 10993 zertifizierbar, FDA-konform, röntgentransparent (kein Metallartefakt im MRT) und kann im Autoklaven bei 134 °C sterilisiert werden. 3D-gedrucktes PEEK für medizinische Anwendungen erfordert jedoch spezielle Reinraum-Produktionsbedingungen und medizingrad-zertifiziertes Filament.

Welche Alternativen gibt es zu PEEK?

Je nach Anforderung gibt es preisgünstigere Alternativen: PEI (Ultem) bietet ähnliche Hitzebeständigkeit bei niedrigeren Drucktemperaturen und ist kostengünstiger. PPS (Polyphenylensulfid) ist chemisch hochbeständig und preiswerter als PEEK. PEKK bietet vergleichbare mechanische Eigenschaften mit etwas niedrigerem Schmelzpunkt. Nylon mit Kohlefaserverstärkung (PA-CF) ist eine deutlich günstigere Option für Anwendungen, die keine extreme Wärme- oder Chemikalienbeständigkeit benötigen.


Alle weiteren 3D-Druck-Materialien und deren Eigenschaften findest du in unserer Materialien-Übersicht.

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