PETG 3D-Druck – Stabil, Zäh und Vielseitig für Funktionsteile
PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) verbindet die unkomplizierte Druckbarkeit von PLA mit deutlich besserer Schlagzähigkeit, chemischer Beständigkeit und einer höheren Wärmeformbeständigkeit. Es ist ein bewährtes Material für technische Funktionsteile und Ersatzteile, die im echten Einsatz bestehen müssen.
Was ist PETG? – Materialgrundlagen
PETG ist eine modifizierte Variante von PET (dem Kunststoff aus Wasserflaschen). Durch die Zugabe von Glykol (daher das „G“) wird das Material flexibler und weniger spröde, was gleichzeitig die Druckbarkeit verbessert. PETG hat eine Dichte von ca. 1,27 g/cm³ und zeichnet sich durch eine hervorragende Schichthaftung aus – in der Praxis bedeutet das: kaum delaminierte Schichten, robust in alle Richtungen.
Technische Eigenschaften & Druckparameter
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Drucktemperatur (Hotend) | 220 – 260 °C (optimal: 225–240 °C) |
| Heizbett-Temperatur | 60 – 90 °C |
| Druckgeschwindigkeit | 30 – 80 mm/s (optimal: 40–60 mm/s) |
| Glasübergangstemperatur (Tg) | ca. 69–74 °C |
| Wärmeformbeständigkeit (HDT) | ca. 70 °C |
| Zugfestigkeit | ~ 40–50 MPa |
| Biegefestigkeit | 60–71 MPa |
| Schlagfestigkeit (Charpy) | 8–52,7 kJ/m² |
| Dichte | 1,27 g/cm³ |
| Schrumpfungsrate | ca. 0,5% |
Stärken von PETG auf einen Blick
- Hervorragende Schichthaftung – kaum Delaminierung, keine brüchigen Lagen
- Deutlich zäher als PLA – nimmt Schlagenergie auf, ohne sofort zu brechen
- Chemisch beständig – widersteht Ölen, Fetten und vielen Lösungsmitteln
- Kaum Warping – einfachere Verarbeitung als ABS ohne geschlossenen Druckraum
- Transparente Varianten verfügbar – ideal für Lichtleiter oder dekorative Abdeckungen
Schwächen und Einschränkungen
- Neigt zu Stringing: PETG zieht beim Drucken leicht Fäden zwischen offenen Bereichen. Gute Retraction-Einstellungen und getrocknetes Filament helfen deutlich
- Feuchtigkeitsempfindlich: PETG sollte vor dem Druck getrocknet werden (4–6 Std. bei 65°C), da Feuchtigkeit zu Blasen, Fäden und schlechter Oberfläche führt
- Nicht für echten Outdoor-Dauereinsatz: UV-Beständigkeit ist ähnlich wie ABS – beide degradieren unter intensiver Sonneneinstrahlung. Für dauerhaften Außeneinsatz ist ASA die richtige Wahl
- Klebt an PEI-Druckflächen: Bei zu hoher Betttemperatur kann PETG an PEI-Federstahlplatten festkleben und die Oberfläche beschädigen
PETG vs. PLA – Wann welches Material?
Die Wahl zwischen PETG und PLA ist eine der häufigsten Entscheidungen im FDM-Druck. Beide Materialien sind gut druckbar, unterscheiden sich aber deutlich in ihren Einsatzgebieten. Hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
- Mechanische Belastung: PETG ist zäher und schlagfester – PLA bricht unter starker Biegebelastung, PETG federt eher nach.
- Wärmebeständigkeit: PETG hält bis ca. 70–75 °C form, PLA erweicht bereits ab ~60 °C – entscheidend für Kfz-Umgebungen oder heiße Innenräume.
- Detailgenauigkeit: PLA erzielt etwas schärfere Details und feinere Überhänge, da es bei niedrigeren Temperaturen druckt.
- Druckaufwand: PLA druckt einfacher und fehlerverzeihender; PETG erfordert etwas mehr Einstellung (Retraction, Temperatur, Kühleinstellungen).
- Chemische Beständigkeit: PETG ist deutlich resistenter gegen Öle, Fette, Alkohole und schwache Säuren – PLA ist hier kaum beständig.
- Preis: Beide Materialien sind in einem ähnlichen Preissegment; PETG ist meist minimal teurer.
Faustregel: PLA für Prototypen, Modelle und ästhetische Objekte – PETG für Funktionsteile, Ersatzteile und mechanisch belastete Bauteile.
PETG vs. PLA vs. ABS – Das Material im Vergleich
| Kriterium | PLA | PETG | ABS |
|---|---|---|---|
| Druckbarkeit | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Schlagzähigkeit | ⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
| Hitzebeständigkeit | ⭐⭐ | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
| UV-Beständigkeit | ⭐⭐ | ⭐⭐ | ⭐⭐ |
| Chem. Beständigkeit | ⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
Chemikalienbeständigkeit von PETG im Detail
Einer der wichtigsten Vorteile von PETG gegenüber PLA ist die deutlich bessere chemische Beständigkeit. Hier eine Übersicht der wichtigsten Medien und der PETG-Verträglichkeit:
| Medium | Beständigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Wasser | Sehr gut | Dauerhafter Kontakt möglich |
| Mineralöle / Schmieröle | Gut | Geeignet für Maschinenumgebungen |
| Kraftstoff (Benzin) | Bedingt | Kurzzeitiger Kontakt toleriert |
| Isopropanol (IPA) | Gut | Reinigungsmittel verträglich |
| Schwache Säuren (z.B. Zitronensäure) | Gut | Für Haushaltsanwendungen geeignet |
| Starke Säuren (z.B. Salzsäure) | Nicht beständig | Angriff auf Material möglich |
| Aceton / Ketone | Nicht beständig | Löst PETG auf |
| Laugen (Natronlauge) | Bedingt | Bei hoher Konzentration Angriff |
Lebensmittelechtheit von PETG
PETG ist chemisch verwandt mit PET – dem Kunststoff, aus dem Trinkflaschen hergestellt werden. Das lässt den Schluss zu, PETG-Drucke seien automatisch lebensmittelecht. Die Realität ist aber differenzierter:
- Rohstoff grundsätzlich geeignet: Reines PETG-Granulat ohne Farbzusätze ist von der FDA (USA) und EFSA (EU) als lebensmittelkontaktfähig eingestuft.
- Farbpigmente oft nicht lebensmittelecht: Die meisten handelsüblichen PETG-Filamente enthalten Pigmente oder Additive, die nicht für Lebensmittelkontakt zertifiziert sind. Nur speziell ausgezeichnete Food-Grade-Filamente sind hier geeignet.
- Druckprozess als Hygieneproblem: FDM-gedruckte Teile haben eine poröse, raue Schichtstruktur, in der sich Bakterien und Keime ansiedeln können. Selbst mit lebensmittelechtem Filament ist hygienisch einwandfreier Dauereinsatz kaum möglich.
- Lösung für Lebensmittelanwendungen: Wenn Lebensmittelkontakt notwendig ist, empfehlen wir SLA-Druck mit zertifizierten Harzen, zusätzliche Versiegelung mit lebensmittelgeeignetem Epoxid, oder Fertigung im Spritzgussverfahren.
Druckhinweise und typische Probleme beim PETG-Druck
PETG ist weniger fehlerverzeihend als PLA. Wer die typischen Stolperfallen kennt, druckt deutlich bessere Ergebnisse:
Stringing (Fadenziehen)
PETG neigt stärker zum Stringing als PLA, weil es bei höheren Temperaturen druckt und zähflüssiger ist. Wirkungsvolle Maßnahmen:
- Drucktemperatur auf das untere Ende des Bereichs senken (225–230 °C testen)
- Retraction-Distanz anpassen: 4–7 mm bei Bowden, 1–3 mm bei Direktantrieb
- Retraction-Geschwindigkeit erhöhen (40–60 mm/s)
- Filament vor dem Druck trocknen – Feuchtigkeit verstärkt Stringing erheblich
- Kühlgebläse-Leistung auf 50–80 % reduzieren (zu viel Kühlung verschlechtert Schichthaftung)
Blobbing (Materialklumpen)
Kleine Klumpen oder Erhebungen auf der Oberfläche entstehen oft durch Überextrusion oder Druckkopf-Starts/Stopps. Gegenmittel:
- Extrusionsmultiplikator leicht reduzieren (auf 95–98 %)
- Coasting aktivieren (kleine Menge Filament zurückziehen kurz vor Pfadende)
- Seam-Position auf eine unauffällige Stelle legen
- Ersten Layer nicht zu dicht eindrücken (PETG haftet sehr aggressiv)
PETG klebt zu stark ans Druckbett
- Betttemperatur auf maximal 70–75 °C begrenzen
- PEI-Platten mit einer dünnen Schicht Klebestift (Pritt oder ähnlich) als Trennmittel beschichten
- Alternativ: Glasplatte oder spezielle PETG-Druckoberflächen verwenden
- Teile erst ablösen, wenn Bett auf unter 40 °C abgekühlt ist
Nachbearbeitung von PETG-Drucken
PETG lässt sich grundsätzlich gut nachbearbeiten, auch wenn es etwas weicher und zähflüssiger reagiert als PLA:
Was gut funktioniert
- Schleifen: PETG lässt sich schleifen, neigt aber zum Verschmieren (Gummieren), da es zäher als PLA ist. Nassschleifen mit Wasser und feinem Papier (ab 400er Körnung) liefert bessere Ergebnisse als Trockenschleifen.
- Lackieren: Nach Grundierung mit Füller-Primer haftet Lack gut auf PETG. Vorher gut schleifen und entfetten.
- Kleben: Cyanacrylat funktioniert gut, Epoxid-Kleber ebenfalls. Zwei-Komponenten-Kleber sind für mechanisch belastete Klebestellen empfehlenswert.
- Stringer entfernen: Fäden lassen sich mit einem Heißluftgebläse (auf Abstand, kurz) sehr gut entfernen – die Fäden schmelzen weg, ohne die Oberfläche zu beschädigen.
Was bei PETG NICHT funktioniert
- Acetondampf-Glätten: PETG reagiert zwar auf Aceton und wird davon angelöst – aber nicht für eine gleichmäßige Dampfglättung geeignet. Der Prozess ist unkontrollierbar und ergibt keine brauchbaren Ergebnisse.
- Aggressives Trockenschleifen: Durch die Zähigkeit von PETG verschmiert Schleifpapier schnell und hinterlässt Riefen. Immer nass schleifen oder mit sehr feinem Papier arbeiten.
Typische Anwendungen im Auftragsdruck
Technische Ersatzteile
Umlenkrollen, Riemenführungen, Halterungen und Griffe, die mechanischen Alltagsbeanspruchungen standhalten müssen.
Gehäuse & Abdeckungen
Für Elektronikgehäuse in klimatisierten Innenräumen oder leicht belasteten Außenpositionen (z. B. unter einem Dachüberstand).
Funktionsprototypen
Wenn ein Prototyp nicht nur aussehen, sondern tatsächlich in seiner Anwendung geprüft werden soll – PETG hält durch, wo PLA versagt.
PETG richtig lagern
PETG ist stärker hygroskopisch als PLA – es nimmt Feuchtigkeit besonders schnell auf und reagiert sehr empfindlich darauf. Feuchtes PETG zeigt sich durch Knistern beim Drucken, Blasenbildung auf der Oberfläche, erhöhtes Stringing und reduzierte mechanische Festigkeit der Drucke.
- Lagerung: Immer in luftdichten Behältern oder Vakuumbeuteln mit ausreichend Silicagel aufbewahren
- Trocknen vor dem Druck: PETG bei 65 °C für 4–6 Stunden in einem Filament-Trockner oder Backofen trocknen – besonders nach längerer Lagerung
- Idealfeuchte: Relative Luftfeuchtigkeit unter 20 % anstreben; bei über 50 % Luftfeuchte nimmt PETG innerhalb weniger Stunden merklich Feuchtigkeit auf
- Direktes Drucken aus dem Trockner: Für beste Ergebnisse PETG während des Drucks im Trockner halten (aktives Filament-Trocknungssystem)
Häufige Fragen zum PETG-Druck
Ist PETG wirklich lebensmittelecht?
In seiner Rohform (reines PETG) gilt es als lebensmittelecht. Jedoch nutzen viele Hersteller Farbpigmente oder Zusatzstoffe, die das nicht sind. Außerdem ist die FDM-Schichtstruktur porig und schwer zu reinigen. Für Lebensmittelkontakt empfehlen wir zusätzliche Versieglung oder klären das gerne auf Anfrage mit dir ab.
Wofür ist PETG besser geeignet als PLA?
Überall, wo mechanische Belastungen, Schläge, leichte Wärme (bis ~70°C) oder chemische Beständigkeit gefragt sind: Maschinenbauteile, Ersatzteile, Halterungen, Griffe. PLA würde dort schneller brechen oder erweichen.
Kann PETG im Freien eingesetzt werden?
Begrenzt. PETG ist UV-beständiger als PLA, aber für dauerhaften Outdoor-Einsatz mit intensiver Sonneneinstrahlung ist ASA (Acrylnitril-Styrol-Acrylat) die deutlich geeignetere Wahl. Es vergilbt und versprödet nicht.
Warum stringt mein PETG so stark?
Stringing bei PETG entsteht durch die hohe Drucktemperatur und die Zähigkeit des Materials. Die wirksamsten Gegenmaßnahmen: Filament trocknen (65 °C, 4–6 Std.), Drucktemperatur auf das untere Ende senken (225–230 °C), Retraction erhöhen und Druckgeschwindigkeit bei Bewegungen ohne Extrusion erhöhen.
Kann man PETG mit Aceton glätten?
Nein – zwar löst Aceton PETG theoretisch an, aber der Prozess ist unkontrollierbar und liefert keine brauchbaren Ergebnisse wie bei ABS. PETG lässt sich am besten durch Nassschleifen und anschließendes Lackieren nachbearbeiten.
Warum klebt mein PETG-Druck so fest am Bett?
PETG haftet sehr aggressiv auf PEI-Federstahlplatten. Lösung: Betttemperatur auf maximal 70–75 °C begrenzen, eine dünne Schicht Klebestift als Trennmittel auftragen und Teile erst nach vollständiger Abkühlung des Betts ablösen.
Alle weiteren 3D-Druck-Materialien und deren Eigenschaften findest du in unserer Materialien-Übersicht.
Weitere Materialien
Erfahre mehr über andere 3D-Druck Materialien: ABS & ASA · PLA · TPE · TPU · Nylon/PA · PC · PEEK · Resin · Materialübersicht